Ratgeber · Bluthochdruck
Nahrungsergänzungsmittel bei Bluthochdruck: was erlaubt ist und was nicht
Fachlich geprüft von Katharina Weber, Stand 15.10.2026

Auf Kapseldosen für Herz und Kreislauf steht viel, erlaubt ist davon wenig. Für Kalium und Omega-3-Fettsäuren gibt es zugelassene Sätze zum normalen Blutdruck, für Magnesium und Pflanzenextrakte nicht. Der Text zeigt, wo die Grenze verläuft, welche Wechselwirkungen mit Blutdrucktabletten drohen und wann ein Messwert ein Notfall ist.
Was ein Nahrungsergänzungsmittel versprechen darf
Die Regel ist streng und eigentlich einfach. Ein Lebensmittel, und dazu zählen Kapseln aus dem Netz, darf nicht behaupten, eine Krankheit zu verhüten oder zu behandeln. Bluthochdruck ist eine Krankheit. Sätze wie „senkt den Blutdruck“ oder „hilft gegen Hypertonie“ haben auf einer Dose also nichts verloren.
Erlaubt sind nur Aussagen aus einer EU-Liste, die von der Lebensmittelbehörde EFSA wissenschaftlich geprüft wurden, und zwar fast wortgleich. Der feine Unterschied: Dort steht nie, dass ein Stoff hohen Blutdruck senkt. Dort steht, dass er zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks beiträgt. Das ist ein anderer Satz, auch wenn die Werbung gern so tut, als wäre es derselbe.
Kalium: zugelassen, aber mit Haken
Kalium trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei. Das ist ein offizieller Satz mit einem nachvollziehbaren Hintergrund, denn Kalium arbeitet im Körper als Gegenspieler zum Natrium aus dem Kochsalz. Wer viel Gemüse und Hülsenfrüchte isst, bekommt davon reichlich. Kartoffeln mit Schale oder eine Banane am Nachmittag: Das ist die Küchenversion.
Der Haken steckt in der Kapsel. Viele Blutdrucktabletten, etwa ACE-Hemmer und Sartane, halten Kalium im Körper zurück, kaliumsparende Entwässerungsmittel ebenso. Kommt zusätzliches Kalium dazu, kann der Spiegel im Blut zu hoch steigen, und das bringt den Herzrhythmus durcheinander. Bei geschwächten Nieren gilt das genauso. Auch Diätsalz besteht oft zum Teil aus Kaliumchlorid (steht klein auf der Packung).
Magnesium: viele Sätze, keiner zum Blutdruck
Magnesium taucht in vielen Präparaten für Herz und Kreislauf auf. Zugelassen ist für Magnesium eine ganze Reihe von Aussagen, zum Beispiel diese: Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei. Zum Blutdruck ist keine darunter. Wer auf einer Dose liest, Magnesium entspanne die Gefäße, liest Werbung.
Unbedenklich ist es trotzdem nicht in jeder Lage. Magnesium bindet im Darm bestimmte Antibiotika und Osteoporosemittel, die dann schlechter ins Blut gelangen. Ein Abstand von einigen Stunden löst das meist. Größere Einzelmengen machen bei vielen Menschen weichen Stuhl, und bei eingeschränkter Nierenfunktion gehört jede Magnesiumkapsel vorher in die Sprechstunde.
Omega-3: ja, aber erst in großer Menge
Für die Fettsäuren EPA und DHA aus Fischöl gibt es tatsächlich einen zugelassenen Satz: Sie tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei. Die Bedingung dahinter überrascht viele. Der Effekt ist an eine hohe Tagesmenge geknüpft, die mit ein, zwei gewöhnlichen Fischölkapseln nicht annähernd erreicht wird, und wer so wirbt, muss zugleich auf eine Obergrenze hinweisen.
Gerade für Menschen mit Bluthochdruck ist diese Obergrenze kein Kleingedrucktes. Hohe Omega-3-Mengen können die Blutungsneigung verstärken, was bei Gerinnungshemmern oder ASS zählt. Und für hoch dosierte Omega-3-Arzneimittel führt die europäische Arzneimittelagentur ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Fisch auf dem Teller ist die entspanntere Variante.
Pflanzenextrakte ohne zugelassenen Satz
Knoblauch, Olivenblatt, Hibiskus, Rote Bete: Für keinen dieser Stoffe steht ein Blutdrucksatz auf der EU-Liste. Viele Pflanzenaussagen hängen seit Jahren in einer Warteschleife, weil die Prüfung für pflanzliche Stoffe ausgesetzt wurde. Hersteller formulieren deshalb vorsichtig, mit Wendungen wie „traditionell verwendet“ oder „in Studien untersucht“. Wer stattdessen Prozentzahlen und Wochenfristen liest, kann die Seite getrost schließen.
Zum Vergleich unser eigenes Sortiment: Cardiotens Plus enthält Hagebutte, Baldrian, Brennnessel und B-Vitamine. Für Vitamin B1 ist zugelassen, dass es zu einer normalen Herzfunktion beiträgt. Eine Blutdruckaussage hat keiner der Inhaltsstoffe, und so ordnen wir das Produkt auch ein. Vorsicht übrigens bei Süßholz in Tees und Kapseln: Es kann den Blutdruck erhöhen.
Wechselwirkungen mit Blutdrucktabletten
Wer Blutdruckmittel nimmt, sollte jede neue Dose vorher in der Apotheke oder Praxis zeigen. Wirklich jede. Zwei Probleme kommen vor: Ein Stoff verstärkt die Tablette, dann sackt der Druck ab und Ihnen wird beim Aufstehen schwindelig. Oder er schwächt sie, etwa Johanniskraut, das den Abbau vieler Medikamente beschleunigt.
Grapefruit gehört auch auf die Liste, obwohl sie gar keine Kapsel ist: Sie bremst bei manchen Calciumantagonisten den Abbau, die Wirkung wird stärker. Und die wichtigste Regel zum Schluss (Katharina Weber, unsere Spezialistin, hat beim Gegenlesen darauf bestanden, sie fett zu setzen): Blutdrucktabletten nie eigenmächtig absetzen oder reduzieren, auch nicht, wenn eine Kapsel dazukommt.
Selbst messen, aber richtig
Ob eine Gewohnheit oder ein Präparat irgendetwas verändert, zeigt nur das Messgerät, nicht das Bauchgefühl. Oberarmgeräte gelten als zuverlässiger als Handgelenkgeräte. Die Manschette sitzt auf der nackten Haut, nicht über dem hochgeschobenen Pulloverärmel, und muss zum Armumfang passen.
Vor dem Messen ein paar Minuten ruhig sitzen, die Füße flach auf dem Boden. Nicht reden. Kaffee und Zigarette kurz vorher verfälschen den Wert. Morgens vor der Tablette messen, abends noch einmal, bevor Sie ins Bett gehen. Die Werte notieren Sie (viele Geräte speichern sie zwar, ein Zettel lässt sich aber leichter in die Sprechstunde mitnehmen). Einmal im Jahr das eigene Gerät mit in die Praxis nehmen und dort parallel messen lassen schadet auch nicht.
Wann es gefährlich wird
Sehr hohe Werte zusammen mit Brustschmerz, Atemnot, starkem Kopfschmerz, Sehstörungen, Sprachproblemen oder einer Lähmung im Gesicht oder an Arm und Bein: Das ist ein Notfall. Sofort die 112 anrufen, nicht erst eine Kapsel nehmen und abwarten.
Liegen die Werte ohne Beschwerden deutlich über dem, was Sie von sich kennen? Dann noch am selben Tag die Hausarztpraxis anrufen, abends und am Wochenende den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Und wer neu bemerkt, dass ihm bei jedem Aufstehen schwarz vor Augen wird, lässt die Dosis seiner Tabletten prüfen, statt eine weitere Dose dazuzustellen.
Katharina Weber
Spezialistin für Nahrungsergänzungsmittel
Katharina Weber ist unsere Spezialistin für Nahrungsergänzungsmittel. Sie prüft für Gesundheitsladen.com die Angaben zu Zusammensetzung, Verzehrempfehlung und Warnhinweisen jedes Produkts und entscheidet, welche Formulierungen auf dieser Seite stehen dürfen. Ihre Prüfung ist eine fachliche Kontrolle der Angaben, keine ärztliche Empfehlung für ein Produkt.
Zum ProfilDieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Arzneimittel und kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Bei Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Apotheker.


