Ratgeber · Gelenke
Bestellung per Nachnahme beim Hersteller: so erkennen Sie seriöse Angebotsseiten
Fachlich geprüft von Katharina Weber, Stand 15.10.2026

Viele Gelenk- und Gesundheitsprodukte gibt es nur direkt beim Hersteller, bezahlt wird an der Haustür. Das ist bequem und meist unkompliziert. Trotzdem lohnt sich vorher ein kurzer Check der Angebotsseite. Hier steht, welche Angaben dort hingehören, woran Sie unseriöse Seiten erkennen und was zu tun ist, wenn mit dem Paket etwas nicht stimmt.
So läuft eine Bestellung per Nachnahme ab
Sie landen auf einer Angebotsseite, tragen Name und Adresse samt Telefonnummer in ein kurzes Formular ein und schicken es ab. Bezahlt wird nichts. Bei vielen Anbietern klingelt danach das Telefon: Ein Callcenter bestätigt die Bestellung und fragt nach, ob es nicht lieber das größere Paket sein soll.
Sie müssen nicht zusagen. Nennen Sie am Telefon klar die Menge, die Sie wollen, und lassen Sie sich den Gesamtpreis inklusive Versand und Nachnahmegebühr nennen. Ein paar Tage später bringt der Zusteller das Paket, Sie zahlen an der Tür und bekommen eine Quittung. Gelenkprodukte wie ArtiZynt Kapseln werden auf diese Weise verkauft.
Der Vorteil liegt auf der Hand: keine Kartendaten im Netz, keine Vorkasse an einen Unbekannten. Der Nachteil ist weniger bekannt. Wer bar an der Tür gezahlt hat, kann das Geld nicht einfach über die Bank zurückholen, wie es bei einer Kartenzahlung manchmal geht. Deshalb gehört der Check vor die Bestellung, nicht danach.
Das Impressum zuerst
Ganz unten auf der Seite, oft winzig verlinkt. Ein vollständiges Impressum nennt eine Firma mit Rechtsform und eine echte Postanschrift, dazu eine E-Mail-Adresse und bei eingetragenen Unternehmen Registergericht und Nummer. Ein Postfach allein reicht nicht. Liegt die Adresse außerhalb der EU, kann das legal sein, macht Rückfragen und Reklamationen aber deutlich mühsamer.
Ein kleiner Test, der zwei Minuten dauert: Firmennamen in eine Suchmaschine kopieren. Taucht er nur im Zusammenhang mit genau diesem einen Produkt auf, oder gibt es eine Geschichte dahinter? Bei der Recherche für diesen Shop sind uns übrigens Angebotsseiten ganz ohne Herstellernamen begegnet und Kampagnenseiten, die beim zweiten Besuch schon verschwunden waren.
Was außerdem auf die Seite gehört
Widerrufsbelehrung
Auch bei Nachnahme gilt das gesetzliche Widerrufsrecht von 14 Tagen, gerechnet ab dem Tag, an dem das Paket bei Ihnen ankommt. Eine seriöse Seite erklärt das in einer eigenen Widerrufsbelehrung, mit Adresse für die Rücksendung und am besten einem Musterformular. Steht dort nur „Umtausch ausgeschlossen“, sollten Sie stutzig werden. Bei versiegelten Dosen kann das Recht erlöschen, sobald das Siegel geöffnet ist, also erst überlegen, dann aufmachen.
Preis mit Datum
Durchgestrichene Mondpreise sind im Direktvertrieb üblich. Entscheidend ist, was Sie am Ende zahlen. Der Endpreis sollte vor dem Absenden klar dastehen, mit Versandkosten und Nachnahmegebühr. Ein Countdown, der nach dem Neuladen der Seite wieder bei zehn Minuten beginnt, ist kein Angebot, sondern Druck. Machen Sie einen Screenshot der Preisangabe mit Datum. Der hilft später, falls an der Tür ein anderer Betrag verlangt wird.
Zutatenliste und Kontakt
Bei Nahrungsergänzungsmitteln gehört die vollständige Zutatenliste mit Mengen pro Tagesportion auf die Seite, nicht nur drei Pflanzennamen im Werbetext. Vergleichen Sie die Angaben nach der Lieferung mit dem Etikett. Wir haben für ein und denselben Produktnamen schon Angebotsseiten mit unterschiedlichen Rezepturen gefunden, und gleichnamige Apothekenprodukte mit ganz anderem Inhalt gibt es auch. Dazu eine Kontaktmöglichkeit, die wirklich antwortet: Telefonnummer oder E-Mail, gern vorher einmal ausprobiert.
Kein Abo durch die Hintertür
Im Formular steckt manchmal ein vorausgewähltes Häkchen für eine regelmäßige Lieferung. Lesen Sie das Kleingedruckte unter dem Bestellknopf, bevor Sie klicken. Eine einmalige Bestellung sollte auch so heißen. Wenn am Telefon von einer „Kur“ über mehrere Monate die Rede ist, fragen Sie nach, ob das mehrere Lieferungen bedeutet und wie man sie stoppt.
Woran Sie eine unseriöse Seite erkennen
Manche Seiten wirken auf den ersten Blick wie ein Zeitungsartikel. Das ist Absicht. Bei diesen Mustern lieber das Fenster schließen:
- Ein angeblicher Bericht im Stil eines Nachrichtenportals, mit erfundenem Interview und einem Logo, das bekannt aussieht.
- Prominente aus dem Fernsehen, die das Produkt angeblich empfehlen. Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor genau dieser Masche.
- Ein „Professor“ oder „Chefarzt“ ohne Nachnamen und ohne jede Spur im Netz.
- Testsiegel, deren Herkunft sich nicht klären lässt.
- Kommentare unter dem Artikel, die sich weder beantworten noch anklicken lassen und auf anderen Seiten mit denselben Fotos wieder auftauchen.
- Versprechen mit Prozentzahl und Frist. Seriöse Hersteller schreiben so etwas nicht, weil sie es nicht dürfen.
Ein einzelnes Signal ist noch kein Beweis. Kommen drei davon zusammen, bestellen Sie lieber woanders oder gar nicht.
Wenn mit dem Paket etwas nicht stimmt
Das Paket kommt nicht? Zuerst beim Hersteller melden, mit Bestelldatum und der Telefonnummer, die Sie im Formular angegeben haben. Bezahlt haben Sie ja noch nichts, das entspannt die Lage. Kommt dagegen ein Paket, das Sie nie bestellt haben, verweigern Sie die Annahme. Unbestellte Nachnahmesendungen sind eine bekannte Betrugsmasche.
Beschädigte Verpackung oder ein aufgerissenes Siegel? Am besten noch vor dem Bezahlen ansehen und im Zweifel die Annahme verweigern. Ist das Paket schon offen, machen Sie Fotos vom Karton und von der Dose samt Chargennummer, bevor Sie irgendetwas wegwerfen.
Ein Detail, das viele übersehen: Die Annahme zu verweigern ist noch kein Widerruf. Schicken Sie zusätzlich eine kurze E-Mail, dass Sie den Vertrag widerrufen, und heben Sie die Quittung des Zustellers auf. Bleibt eine Antwort aus oder kommt das Geld nach einer Rücksendung nicht zurück, beraten die Verbraucherzentralen auch in solchen Fällen.
Und falls die Lieferung aus einem Land außerhalb der EU kommt: Dann können an der Tür zusätzlich Einfuhrabgaben fällig werden. Auch darauf sollte die Angebotsseite vorher hinweisen.
Ein letzter Rat, der pedantisch klingt: Notieren Sie direkt nach dem Bestätigungsanruf, was vereinbart wurde, mit Uhrzeit und dem Namen der Person am Telefon. Gibt es später Streit über Menge oder Preis, ist so ein Zettel mehr wert als jede Erinnerung.
Katharina Weber
Spezialistin für Nahrungsergänzungsmittel
Katharina Weber ist unsere Spezialistin für Nahrungsergänzungsmittel. Sie prüft für Gesundheitsladen.com die Angaben zu Zusammensetzung, Verzehrempfehlung und Warnhinweisen jedes Produkts und entscheidet, welche Formulierungen auf dieser Seite stehen dürfen. Ihre Prüfung ist eine fachliche Kontrolle der Angaben, keine ärztliche Empfehlung für ein Produkt.
Zum ProfilDieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Arzneimittel und kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Bei Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Apotheker.


